Florian Weiss
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DJ



Interview eines süddeutschen Jugendmagazins zum Thema „Karrieren im Musikbusiness“

Florian, wie bist du darauf gekommen eine DJ Karriere zu starten und welche Ausbildung und Qualifikationen musstest du haben?
ich habe mit 15 in einen Plattenladen gejobbt. Zeitgleich wurde elektronische Musik groß in Deutschland. Das war in den frühen 90ern, damals begann mit Housemusik die letzte wirkliche musikalische Revolution. Das war eine große Sache. Ich war begeistert von den Möglichkeiten, die einem damals plötzlich eröffnet wurden und legte mich richtig ins Zeug. Ich bekam die Platten in dem Laden umsonst, die Plattenspieler und das Mischpult musste ich mir anderweitig dazu verdienen. Das Mixen ist vergleichbar mit dem Erlenen eines Instruments, nach einem halben Jahr war ich gut genug um in den ersten Clubs zu spielen. Illegal natürlich, ich war eigentlich zu jung. Aber viele Partyveranstalter juckte das nicht. Die waren heiß auf neue Beats. Und so bekam ich meine ersten Jobs.

Und wie haben deine Familie und deine Freunde auf diesen Job reagiert?
Mein Vater hat es gehasst. Wenn der abends die Sportschau kucken wollte hämmerten meine Beats aus dem Kinderzimmer durch die ganze Wohnung. Er begreift bis heute nicht wie man mit so etwas Geld verdienen kann. Aber er findet es natürlich super weil ich ihm seit 20 Jahren nicht mehr auf der Tasche liege (lacht)

Was machst du alles und wo trittst du auf?
Ich spiele an die 30 Gigs pro Jahr. Meist in Bayern, hin und wieder aber auch in Österreich oder im Norden der Republik. Da ist alles mögliche dabei. Festivals, Beach Clubbings, Aftershowpartys oder Firmenevents.

Welche Aussichten hattest du am Anfang deiner Karriere?
Die Besten. Alles war neu und aufregend. Elektronische Tanzmusik war der heisseste Scheiss auf dem Planeten, wie man so schön sagt. Und es gab Anfang, Mitte der 90er noch wenige, die diese Musik auflegten. Das hat sich dann allerdings schnell geändert. Leider (lacht)

Welche Chancen hat man deiner Meinung nach in diesem Beruf?
Die Luft ganz oben ist deutlich dünner geworden, der Markt aber viel größer als damals. Vor allem Amerika setzt momentan voll auf DeeJay Kultur. Ich glaube nach wie vor das jeder, der einen außergewöhnlich guten Job macht, alle Chancen auf eine Karriere in diesem Geschäft hat. Aber es ist schwerer geworden sich von der Hunderttausendmann (und Frau) starken Konkurrenz abzuheben. Die größten Chancen haben immer noch die Mädels und Jungs, die eigene Tracks produzieren und damit erfolgreich in die Dancecharts einsteigen. Ich für meinen Teil bin ein Sonderfall da ich durch meine Radiokarriere gewachsen bin.

Wie sieht ein Tag in diesem Geschäft aus?
Unter der Woche stecke ich meine ganze Energie in meine Radioshows und Fernsehprojekte. Am Wochenende spiele ich dann meist Gigs. Je nach Entfernung zur Veranstaltung steige ich gegen 19Uhr ins Auto, in den Zug oder in den Flieger und spiele meine Auftritte. Es gibt gute und schlechte Abende. Aber im Großen und Ganzen liebe ich diese Nächte, in denen  hunderte oder tausende Menschen auf der Tanzfläche für meine Musik brennen, immer noch sehr.

Welche Belastungen hattest du bisher?
Von ein paar notwendige Anschaffungen abgesehen, keine. Deejaying ist günstig geworden. Die Musik in den Online Stores wie iTunes oder Beatport kostet selten mehr als 1€ pro Song und das Equipment stellt meist der Veranstalter. Ich reise inzwischen nur noch mit zwei USB Sticks und Kopfhörern.

Und wie zufrieden bist du insgesamt mit deiner Arbeit?
Es ist ein sehr besonderer Job. Du triffst jedes Wochenende auf Menschen, die extrem hohe Erwartungen an Dich haben. Die wollen nicht irgendwo feiern, die wollen die beste Party im Umkreis von 100 Kilometern haben. Und für die ist nun mal der  DeeJay zuständig. Wenn ich um ein Uhr Nachts mit der Faust nach oben hinter meinen Pioneer Playern stehe, vor mir hunderte oder tausende am durchdrehen sind, bin ich ein sehr zufriedener Mensch. Nur darum geht es in diesem Geschäft: die richtige Platte zur richtigen Zeit auf zu legen.

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